Als Smartphones noch nicht Smartphones hießen und Smartuser brauchten

Eierlegende Wollmilchsau

Ich erinnere mich sehr gut an die Blicke der Leute. Es war Ende des Jahres 2005. HTC hatte den HTC Universal herausgebracht und T-Mobile stellte in Deutschland genanntes Gerät als „MDA Pro“ gebrandet vor. Jahre vor der Existenz von iPhones oder Samsung Galaxys.

Die eierlegende Wollmilchsau im Bereich der Pocket PCs. Ein interessanter Formfaktor ähnlich einem Tablet, allerdings mit drehbarem Bildschirm und Stifteingabe.Ein Gerät, welches schon damals über UMTS, Bluetooth und Wi-Fi verfügte, Videotelefonie konnte und ein für damalige Verhältnisse atemberaubendes Display mit VGA Auflösung besaß.Ein Notebook im Miniaturformat mit vollständiger Tastatur zum schnellen verfassen von E-Mails oder SMS. Ein Beispiel für den Mut der damaligen Zeit. Es wurde sich getraut, Geräte herauszubringen, deren Formfaktor nicht der Norm entsprach.
Kurzum: Das Gerät musste ich haben.

MDA Pro

T-Mobile MDA Pro mit Bluetooth Stereoheadset

Die Firma hinter der Hardware

HTC ging es zu dieser Zeit sehr gut, trotzdem wohl keiner zu dieser Zeit die Firma kannte. Dennoch stellte HTC damals (und bis wenige Jahre später) einen Großteil der auf der Welt verkauften sogenannten Pocket PCs her. Diese wurden jedoch immer und ausschließlich unter dem Namen der Netzbetreiber vermarktet. Diese Geräte waren insbesondere für Geschäftsleute interessant, mit ihren vielfältigen Möglichkeiten Programme ( heute Apps gennant 😉 ) zu installieren und damit die Funktionsvielfalt zu erweitern. HTC stellte zum damaligen Zeitpunkt ausschließlich Windows Mobile Geräte her und hatte eine relativ unspektakuläre  dreiseitige Webseite. Kein direkter Support, kein direkter Verkauf.

Dieser Umstand änderte sich wenig später. HTC beschloss, zukünftig auch Geräte selber zu verkaufen und stellte sich somit auch in Konkurrenz zu den eigenen Kunden ( Netzbetreibern). Das Portfolio wurde angereichert, so gab es Geräte, Zubehör und irgendwann auch Geräte mit dem Android Betriebssystem.

Pionier mit Fehlern

Das sogenannte Windows Mobile, auf dessen Basis alle Pocket PCs liefen, war damals somit bei Nutzern hoch geschätzt. Trotzdem war dieses Betriebssystem nicht das Gelbe vom Ei. Man hatte relativ freien Zugriff auf alle Teile des Betriebssystems (ähnlich wie bei einem Windows PC) und konnte sich somit auch mal schnell das System funktionsunfähig machen, sodass man es neu aufsetzten musste. Genau hier ist der Punkt. Windows Mobile war in allen Versionen ( auch denen, die später kamen) recht schwierig in der Bedienung, anfällig und mit Sicherheit auch oft nicht bis zuletzt durchdacht. Somit brauchte man etwas Expertise, um ein Smartphone zu bedienen.

Ein Umstand, der sich heute grundlegend geändert hat. Selbst kleine Schulkinder haben absolute Highendsmartphones, deren Bedienung so einfach ist, dass es fast jeder kann. Sämtliche Funktionen(plus ein VGA Display) des ersten iPhones beispielsweise konnte der 2 Jahre ältere MDA Pro auch schon. Dieser Umstand (und natürlich auch der drastische Preis von 1000 €) führten schlussendlich dazu, dass weder Pocket PCs ( mit Touchscreen ) noch Windows Mobile Smartphones (mit Tastaturbedienung) besonders erfolgreich waren auf dem Massenmarkt.

Gigabyte T600 mit T-Mobile MDA Pro

Gigabyte T600 mit T-Mobile MDA Pro

Verlorene Tugenden

Was ist durch den Niedergang von Windows Mobile Pocket PCs verloren gegangen ? Mit Sicherheit ein wichtiger Punkt : Pocket PCs waren von Haus aus „gejailbreaked“. Man konnte installieren, was auch immer man wollte. Es existierte kein App Store. Zudem gab es vollen Zugriff auf das eingebettete Dateisystem, ähnlich wie bei Windows PCs. Dies ermöglichte einem Daten aus dem Internet herunterzulassen und vollkommen frei zu verwenden, eine fehlende Möglichkeit, die mich noch heute beim iPhone ärgert. Zu guter letzt ist eine weitere Sache verloren gegangen: Der Mut von Herstellern, andere Formfaktoren zu bauen. Seit das iPhone vorgestellt wurde, konzentrieren sich fast alle Hersteller auf diesen Formfaktor.

In diesem Sinne: Traut euch, mal was neues zu probieren und das Rad neu zu erfinden 😉

T-Mobile AMEO neben T-Mobile MDA Pro bei der CeBit 2007

T-Mobile AMEO neben T-Mobile MDA Pro bei der CeBit 2007

 

1 Antwort
  1. Moritz says:

    Ohja, ich erinnere mich auch gern zurück an die Zeit zu der Wifi Tethering, Skypen, IMs und sogar Torrent-Downloads Einzug in meinen mobilen Alltag erhielten!
    Diese Freiheit habe ich erst wieder mit dem Kauf eines aktuellen Android Geräts erfahren 😉

    Antworten

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