Digitales Dating als Trend

Früher war alles einfach: Man lernte jemanden in der Disco oder der Bar kennen, traf sich mit demjenigen einige Male, wägte ab und liierte sich dann oder eben auch nicht.

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c) Thomas Leuthard

Heute beginnt die Schwierigkeit in der Regel schon vor dem Kennenlernen: Was früher mit dem Eintritt in die Disco oder mit dem Drink in der Bar abgegolten war, wird heute durch Registrierungen ersetzt. Man zahlt nicht mit Geld, sondern mit Daten – oder einfach mit beidem. In der Welt des digitalen Datings ticken die Uhren einfach grundsätzlich anders als in der realen Welt: Die persönliche Note wird ersetzt durch eine Simulation einer Person bestehend aus Text, Bildern ggf. Videos und Schreiben… ganz viel Schreiben. Doch genau diese subjektiv-selbstdarstellerische Art und Weise stößt vielen auf.

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Zwei neue Datingideen haben nun einen jeweils ganz eigenen Ansatz und liegen damit absolut im Trend. Zum einen ist die Rede von im-gegenteil.de und zum anderen von der App Tinder.

Im-Gegenteil.de ist weit entfernt von klassischem Onlinedating. Es ist vielmehr eine Art Homestory. Man meldet sich bei der Redaktion der Seite und vereinbart einen Termin. Dann kommt ein Redakteurs- und Fototeam zu einem nach Hause und knipst und führt eine Unterhaltung. Heraus kommt eine ansprechende, sehr persönlich wirkende Homestory mit Bildern als Illustration. Auch ein Imagefilm scheint optional möglich zu sein. Das Ganze wirkt auf den Leser wesentlich authentischer als ein normales Onlinedatingprofil, zumal hier professionelle Redakteure (also dritte) die Person beschreiben, was viel eher den Eindruck des „Kennenlernens“ vermitellt.

Auf der anderen Seite gibt es eine wesentlich oberflächlichere, wesentlich weniger tiefgründige Möglichkeit, einen Partner kennenzulernen: Die App Tinder. Tinder ist eine für Android und iOS erhältliche App, die mit Einfachheit und in lezter Instanz mit Oberflächlichkeit punktet. Hier hat man die Möglichkeit (nach einer Anmeldung mit dem Facebookaccount), ein oder mehrere Fotos aus Facebook in die App hineinzuladen. Jetzt fügt man noch einen kurzen Profiltext hinzu, wählt einen Suchradius sowie das Alter und das Geschlecht desjenigen, den man sucht, aus. Schon geht es los. Man bekommt das Bild der ersten jungen Dame oder des ersten jungen Herren angezeigt und kann mit ja oder nein das Interesse an dieser Person bekunden. Wenn beide jeweils Interesse aneinander bekunden, kommt ein „Match“ zustande, wonach man chatten kann. Also: Erst sehen, dann schreiben.Insofern steht Tinder wirklich absolut im Gegenteil zu im-gegenteil.de, da das Kennenlernen hier absolut auf das visuelle reduziert wird – ganz ohne ausschmückende, liebevolle Formulierungen.

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c) Thomas Leuthard

Der Erfolg dieser zwei Datingideen (im gegenteil.de mit mehr als 6000 Fans auf Facebook, über 500.000 Seitenaufrufe/Monat, Tinder unter den Top 50 Apps im iOS Store) beweist, dass die Menschen durchaus Interesse an innovativen Möglichkeiten des Datens haben. Spannend dabei: Keiner der genannten Ansätze verfolgt einen sehr technischen oder komplexen Anspruch, die vorhandenen technologischen Möglichkeiten werden bei weitem nicht genutzt. Vielleicht gibt es ja doch noch einen Bereich, bei dem zu viel Technologie kontraproduktiv ist:

Die Liebe.

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