Technologietrends 2014 bis 2020

Die Vorgeschichte:

Wie einige Leser vielleicht mitbekommen haben, ist diese Seite innerhalb eines Auslandssemesters in Südkorea entstanden. Warum man gerade in Korea auf die Idee kommt eine Seite ins Leben zu rufen?

Korea ist zum einen einer der inspirierendsten Orte für mich, was Ideen angeht, zum anderen ist Korea ein absolutes Technologieland. Alle, die schon einmal dort gewesen sind, werden absolut nachvollziehen können, was ich meine: Wenn man nach Deutschland zurückkehrt, fühlt man sich wie in einem technologischen Entwicklungsland. Während in Deutschland über 50 Mbit/s VDSL in allen Haushalten bis zum Jahre 2018 geredet wird, hat Südkorea bereits weitgehend flächendeckend Glasfaserinternet mit 1 Gbit/s.  Ein wesentlicher Grund und Unterschied zwischen Deutschland und Südkorea ist (abseits von Unterschieden in der gesetzlichen Regulierung von Märkten sowie Genehmigungsverfahren) auch die Demographie: In Südkorea leben die meisten Menschen in urbanen Lebensumgebungen und weniger auf dem Land. Dieser Faktor vereinfacht & vergünstigt natürlich einen Ausbau von schneller Technologieinfrastruktur. Aber auch beim mobilen Internet ist Südkorea Spitzenreiter. Man plant hier sogar, mit dem 5G Mobilfunkstandard eine tausendfache LTE-Geschwindigkeit bis zum Jahre 2020 zu erreichen.

Doch warum wird Technologie und deren Infrastruktur in Korea derart gefördert und in Deutschland ganz offensichtlich nicht?

Ein wesentlicher Grund ist mit Sicherheit der meilenweite Unterschied in der Affinität der Technologie gegenüber. In Deutschland ist es die ältere Generation, die zumeist skeptisch technologischen Entwicklungen gegenübersteht. Diese Generation ist es jedoch gleichzeitig, die in der Regierungsverantwortung ist. Bedeutet: Trotzdem in der breiten Masse der (jüngeren) Bevölkerung ein gewisses Interesse an Technologie und deren Infrastruktur vorherrscht, sind es am Ende doch die weniger technologieaffinen Menschen, die entscheiden, was sich hier verändert. In Korea ist das Interesse hingegen sehr breit gestreut: In der U-Bahn sieht man genauso ältere Menschen auf Ihren Smartphones Filme oder TV schauen, eine Situation, welche in Deutschland eher die Ausnahme darstellt. Zudem hat man in Südkorea – auch aufgrund der diversen Technmologiefirmen – verstanden, dass Technologie und deren Infrastruktur einen echten Unterschied in der Wirtschaftsleistung machen kann und allein daher nicht vernachlässigt werden sollte.

Gerade dieser Einblick in ein Land, welches technologisch wesentlich aufgeschlossener ist, veranlasst mich heute (auch aufgrund meiner Arbeit in der Trendforschung), euch meine Top 3 Technologiemetatrends 2014 – 2020 zu präsentieren:

Trend 1:

Vernetzung

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(c) by Thomas Leuthard

Ein wesentliches Phänomen, dass derzeit zu beobachten ist, ist die zunehmende Vernetzung sowie das „Internet of things“. Nicht nur die Wohnung wird schlauer und erkennt bestimmte Szenarien, nach denen sie dann bestimmte Einstellungen vornimmt, um uns das Leben zu ereignen, nein auch das öffentliche Leben wird sich durch die zunehmende Vernetzung dominiert und verbessert werden.

Ein konkretes Beispiel:

Die Vernetzung im Verkehrsbereich ermöglicht nicht nur, Unfälle zu verhindern und den Verkehrsfluss zu optimieren, auch die Lebensqualität wird durch eine nachhaltige und zweckmäßige Verkehrssteuerung positiv beeinflusst. Fahrzeuge werden so beispielsweise in der Lage sein, die Parksituation in Großstädten zu analysieren und dem Fahrer Hinweise zu geben, wo ein freier Parkplatz zu finden ist.

Des Weiteren wird auch unnötige Umweltbelastung durch eine intelligente Verkehrsinfrastruktur vermieden. Dies ist nicht nur auf Emissionen, sondern vor allem auch auf Lärmentwicklung sowie Defekte bezogen. Intelligente Fahrzeuge wären beispielsweise in der Lage, einen Ölverlust direkt zu bemerken und so entsprechend zeitnah reparabel zu machen, so dass es gar keine unnötige Verschmutzung der Umwelt durch langes Herumgefahre ohne Kenntnis eines Ölverlustes gäbe.

Trend 2:

Smart Devices werden weniger Smart!

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(c) by Sara Cimino

Bei der Überschrift werden sich unsere Leser wahrscheinlich fragen, ob ich noch im Besitz meiner geistigen Kräfte bin. Seid unbesorgt und lest weiter.

Ich prognostiziere, dass innerhalb der nächsten Jahre die Geräte auf einem gewissen technologischen Plateau verweilen werden, was die Leistungsfähigkeit angeht. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: je mehr die digitale Welt vernetzt ist, desto mehr Rechenkapazität kann in die Cloud verlagert werden. Geräte werden also mehr und mehr „Auftraggeber“ werden, die selber nicht in der Lage sind, komplexe Rechenaufgaben zu leisten.

Die Verlagerung von Aufgaben in die Cloud hat weitere Vorteile:

  • Die Akkulaufzeit von mobilen Geräten kann wesentlich verbessert werden, da die Geräte komplexe Rechenaufgaben nicht mehr selber abwickeln, sondern wesentlich leistungsfähigere, dafür ausgelegte Serveranlagen mit dem Vielfachen der Kapazität beispielsweise eines Smartphones.
  • Geräte können so relativ schnell auf dem neuesten Stand sein. Es ist vorstellbar, dass Geräte so mit (kostenpflichtigen) Upgrades wesentlich mehr Funktionalität erhalten. Diese Entwicklung dürfte für die Automobilindustrie sehr interessant sein, da im Fahrzeugbereich Infotainmentsysteme sehr schnell veraltet sind und dann nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden können.

Für die Betreiber der Clouddienste ist diese Entwicklung ein echter Vorteil. Sie haben Ihre Kunden mehr und mehr im Griff, da diese auf die Leistung Ihrer Anbieter angewiesen sind. Nur noch die Geräte sind Eigentum, die Nutzbarkeit ist jedoch nur noch bei Abonnement gegeben.  Diese Situation ist vergleichbar mit dem linearen Fernsehen: Nur wer seine Kabelgebühren zahlt, erhält Content auf sein Gerät.

Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung ist jedoch wieder Punkt 1, die Vernetzung. Nur wenn eine gute Infrastruktur geschaffen wird, ist es möglich, derartige Dienste anzubieten. Hier ist die Geschwindigkeit der Vernetzung von höchster Priorität, da die transportierten Daten immer größer werden. Dies wird speziell den mobilen Bereich vor große Herausforderungen stellen, da eine Verbindung erforderlich ist, die zu jeder Zeit eine gewisse Mindestbandbreite bereitstellt um die Funktion sicherzustellen.

Trend 3:

Wearables

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(c) by Sebstiaan ter Burg

Was wir derzeit auf Produktseite hauptsächlich als Smartwatch kennen und noch etwas befremdlich finden, wird sich in den nächsten Jahren hin zu einer ganzen, bedeutsamen Industrie bewegen. Google Glass und Co haben hier visionär gezeigt, in welche Richtung diese Tendenz gehen kann.

Ein weiterer Bereich wird jedoch noch wesentlich wichtiger werden: Ich sehe eine Applikation von Wearables akut im Medizinbereich. Es wird nicht mehr lange dauern, bis  Patienten quasi ständig unter der Beobachtung ihrer Ärzte stehen können ohne jeden Tag in der Praxis zu sein. Vorstellbar ist dies bei Patienten mit akutem Krankheitsbild, bei denen damit eine gewisse Sicherheit gegeben wäre aber auch bei gesunden Menschen, die mithilfe dieser Geräte einen gesunden Lebensstil nachweisen könnten und in letzter Instanz Krankenkassen- und Versicherungskosten sparen könnten. Ähnliche Prinzipien gibt es bereits bei Versicherungen in den USA, Italien und seit Neustem auch in Deutschland. Hier können Autofahrer ein Gerät in ihr Auto einbauen lassen und somit Versicherungsbeiträge sparen, sofern sie gemäßigt fahren.

Interessant werden könnten Wearables auch für Werbende und Unternehmen, da diese damit direkten Einblick in die Präferenzen und den Lebensstil der potentiellen Kunden hätten.  Wer jetzt gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sagt „Nein, das würde ich niemals machen“ – Wie wäre es, wenn das tragen eines Payback-Armbandes einem ermöglicht 20% auf Produkteinkäufe zu sparen? Die stille Akzeptanz von Bonussystemen wie Payback zeigt ja durchaus, dass Kunden es akzeptieren überwacht und analysiert zu werden, sofern Sie dann einen monetären Vorteil haben.

Diese Idee kann in viele weitere Bereiche gesponnen werden und ist näher als man zunächst denkt.

Fazit:

Die technologische Hetzjagd der vergangenen Jahre wird sich bis 2020 weiterhin verstärken. Eine stärkere Vernetzung der Technologien wird dabei auch die Taktfrequenz der Innovation beschleunigen. Wesentliche Treiber sind hierbei die Bereiche Vernetzung, Cloud Computing sowie Wearables. Interessant wird es zu sehen, wie stark diese Entwicklung in den jeweiligen Ländern sein wird. Beinahe „traditionell“ ist zu erwarten, dass Länder wie Südkorea, Japan und Estland als technologische Vorbildländer auch hier den Maßstab setzen werden. In den eher konservativen und infrastrukturell schlechter aufgestellten westeuropäischen Ländern sowie Nordamerika ist hingegen mit einem verzögerten Verlauf dieser Entwicklung  zu rechnen.

Bei weiterem Interesse an Trends (auch jenseits des technologischen Bereiches) besucht auch gerne die Website von trendquest.

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